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Neue Studien zur glutenfreien Ernährung: Für Gesunde nicht empfehlenswert

Etwa ein Prozent aller Deutschen hat Zöliakie. Menschen mit dieser Erkrankung vertragen das Klebereiweiß Gluten nicht, dass in vielen Getreidearten vorkommt. Sie müssen es ihr Leben lang meiden. Jedoch greifen auch immer mehr Menschen ohne nachgewiesene Unverträglichkeit zu glutenfreien Produkten oder ernähren sich ganz glutenfrei. Grund hierfür sind Ernährungs-Trends wie Low-Carb, No-Carb oder die Paleo-Diät. Neue Studien bezweifeln nicht nur die angeblichen gesundheitlichen Vorteile des freiwilligen Verzichts, sie raten Gesunden sogar davon ab.

Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Hafer, sowie die alten Weizensorten Einkorn, Emmer und Kamut: Sie alle enthalten das Klebereiweiß Gluten. Bei etwa einem Prozent der Deutschen führt seine Aufnahme zu einer Entzündung des Darms, sie leiden an der Autoimmunerkrankung Zöliakie und müssen daher strikt auf Gluten verzichten. Auch Menschen, die an einer Weizenallergie oder einer Glutnsensitivität leiden, sollten Weizen bzw. Gluten meiden. Alle drei Risikogruppen machen nach großzügigen Schätzungen zusammen nicht mehr als 5 Prozent der Bevölkerung in Deutschland aus, sprich 95 Prozent der Menschen hierzulande haben keinen gesundheitlichen Grund auf Getreideprodukte zu verzichten.

In den letzten Jahren sind Gluten und Kohlenhydrate aber auch bei gesunden Menschen zunehmend in Verruf geraten. Der Trend zur glutenfreien Ernährung wurde bestärkt von populärwissenschaftlichen Büchern wie Weizenwampe (William Davis) oder Grainbrain (David Perlmutter).

Diäten und Ernährungsweisen nach dem Low- oder No-Carb-Prinzip (dt. wenig oder keine Kohlenhydrate) propagieren, dass der weitgehende Verzicht auf Getreide, oder zumindest glutenhaltige Getreidesorten, gesundheitsförderlich ist und beim Abnehmen hilft. Dass eine solche Ernährungsweise für Gesunde kritisch gesehen wird, ist nicht neu, wie auch schon der Mehlreport Nr. 22 vom Februar 2013 zeigte. Nun stellen aktuelle Studien die angeblichen Vorteile einer glutenfreien Ernährung ohne nachgewiesene Unverträglichkeit nicht nur in Frage, sie raten Gesunden sogar davon ab.

So hat eine US-amerikanische Gruppe aus Gastroenterologen, Epidemiologen und Zöliakieforschern die langfristigen Effekte von hoher beziehungsweise niedriger Glutenzufuhr über 20 Jahre hinweg untersucht. Grundlage waren die Daten aus zwei Ernährungsstudien mit rund 100.000 Teilnehmern. Die Ergebnisse wurden kürzlich im renommierten British Medical Journal (BMJ) veröffentlicht: Die Höhe des Verzehrs glutenhaltiger Lebensmittel hat keine nachweislichen Auswirkungen auf das Risiko für koronare Herzkrankheiten und tödliche Herzinfarkte. Der Verzicht auf glutenhaltige Getreideprodukten hingegen führt zu einem deutlich niedrigeren Verzehr an B-Vitaminen – unter anderem Vitamin B1, das zur normale Funktion des Herzens beiträgt, aber auch an gesundheitsförderlichen Ballaststoffen, die besonders in Vollkornprodukten enthalten sind und bei der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen helfen können. 

Eine weitere Studie aus Spanien zeigt, dass glutenfreie Lebensmittel meist ungünstigere Nährstoff-Zusammensetzungen aufweisen: So enthalten glutenfreie Brote, Nudeln oder Mehle im Schnitt ein Drittel weniger Eiweiß. Der Fettanteil und folglich die Kalorienmenge sind dafür deutlich höher, weshalb gerade Kinderärzte von glutenfreien Lebensmitteln in der Kinderernährung abraten. Auch unter dem Aspekt, dass eine Ernährung mit glutenfreien Produkten aufgrund der ungünstigeren Nähstoffzusammensetzung ein Übergewichtsrisiko mit sich bringt.

Für viele Menschen steht bei der Wahl der Lebensmittel und Ernährungsweise heute vor allem der gesundheitliche Aspekt im Fokus. Aber welche Ernährung ist denn nun empfehlenswert? Neuere Forschungen zeigen, dass es nicht DIE richtige Ernährung für alle gibt. Vielmehr hat jeder Mensch seine spezifischen Bedürfnisse. Forscher vermuten einen Zusammenhang mit der genetischen Grundausstattung der einzelnen Personen. Allgemeingültige Empfehlungen für eine gesunde Ernährung finden Sie hier.