Diät-Trends Teil 3: Dubrow-Diät und Fasten

Und weiter geht es mit unserer vierteiligen Serie zu aktuellen Diät-Trends. Mit Ostern ist die traditionelle christliche Fastenzeit zwar schon beendet, generell gelten Frühjahr und Herbst als klassische Fastenzeiten und neuere Formen wie das intermittierende Fasten können das ganze Jahr über durchgeführt werden. Also auch jetzt noch schnell bevor es an den Strand geht. Fasten als ‘Entschlackungskur’ hatte lange Zeit einen leicht esoterischen Beigeschmack. Immer mehr wissenschaftliche Studien befassen sich nun aber mit den nachweisbaren, positiven Wirkungen und haben dem Fasten zu einem neuen Boom verholfen. Nicht nur das klassische Fasten, auch intermittierendes oder Intervall-Fasten, wie es in der Dubrow-Diät empfohlen wird, gewinnen an Beliebtheit. Was hat es mit der Dubrow-Diät auf sich und wie genau funktioniert Fasten? Welche Formen gibt es? Und was ist dran am Fasten-Trend? Antworten findet Ihr in unserem Beitrag!

Intermittierendes Fasten und die Dubrow-Diät

Fasten landete im Google Jahresrückblick ‘Year in Search’ 2018 in der Kategorie der meist gesuchten Diäten auf Platz acht. Die Dubrow-Diät, bei der intermittierendes Fasten praktiziert wird, landete sogar auf Platz zwei. Benannt nach ihrem Erfinder Terry Dubrow, Schönheitschirurg und Reality-TV-Star, wird die Dubrow-Diät momentan vor allem in den USA als Diät der Stars gefeiert. Das Besondere an dieser Diät-Form: Es werden keine Kalorien gezählt. Dubrow empfiehlt in der ersten Diätphase eine reduzierte Kohlenhydrataufnahme und ein tägliches Fasten von 16 Stunden. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass nur innerhalb von acht Stunden am Tag gegessen werden darf. Diese Form des Fastens, bei der zwar täglich, aber nur innerhalb eines bestimmten Zeitraums (meist acht bis zwölf Stunden) gegessen wird, wird als intermittierendes Fasten oder auch Intervall-Fasten bezeichnet. Entsprechend wird spät gefrühstückt oder früh zu Abend gegessen. Allein die stark reduzierte Zeit der Nahrungsaufnahme dürfte bei den meisten Menschen schon zu einer Kalorienreduktion führen - auch wenn diese nicht bewusst angestrebt wird. In der weiteren Phase der Dubrow-Diät wird die Zeit für die Nahrungsaufnahme auf bis zu 12 Stunden ausgeweitet, dabei sollte aber an zwei Tagen pro Woche ein 16-stündiges Fasten beibehalten werden. Eine höhere Aufnahme an komplexen Kohlenhydraten ist dann auch wieder erlaubt. Terry Dubrow verspricht: Wer sich an seine Diät hält, braucht sich nicht mehr unters Messer zu legen - der Abnehm- und Anti-Aging-Effekt sei garantiert. Ob die Aussage aus dem Munde des Schönheitschirurgen glaubhaft ist, lassen wir mal im Raum stehen.

Weitere Fasten-Formen: Kurz- und Langzeitfasten

Ganz allgemein kann Fasten als freiwilliger, bewusster Verzicht auf feste Nahrung oder einzelne Nahrungsmittel über einen bestimmten Zeitraum beschrieben werden. Das ist wichtig, denn Fasten ist nicht mit Hungern gleichzusetzen! Neben dem bereits beschriebenen intermittierenden Fasten, gibt es auch das ‘klassische’ Fasten, bei dem über einen bestimmten Zeitraum vollständig auf feste Nahrung verzichtet wird. Man unterscheidet hier üblicherweise zwischen dem Kurzzeitfasten (ein bis zwei Wochen) und dem Langzeitfasten (bis zu sechs Wochen). Wichtig ist es auch, nach dem gesundheitlichen Zustand des Fastenden zu unterscheiden: Fasten für Gesunde, zur Prävention oder auch als Therapie.

Der Klassiker: Buchinger-Fasten

Die wohl am häufigsten praktizierte Form ist das Buchinger-Fasten, benannt nach dem Arzt Otto Buchinger (1878–1966). Hierbei wird zweimal am Tag eine flüssige ‘Mahlzeit’ aus Gemüsebrühe beziehungsweise -saft sowie etwas Honig zu sich genommen. Neben dem klassischen Buchinger-Fasten gibt es ähnliche Varianten, wie das Molkefasten oder Schleimfasten mit stark verdünnen Getreidebreien. Besonders wichtig sind Vor- und Nachbereitung des eigentlichen Fastens: Während der sogenannten Entlastungstage wird bereits auf Genussmittel wie Kaffee, Alkohol und Tabak, aber auch auf fettige, salzige und gesüßte Speisen verzichtet. Bei den sogenannten Aufbautagen wird der Körper wieder langsam mit bekömmlichen Gerichten an die Nahrungsaufnahme gewöhnt. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die bewusste Nahrungsaufnahme gelegt, wie ruhiges Essen, langes Kauen und frühzeitiges Wahrnehmen des Sättigungsgefühls. Somit eignet sich Fasten auch für den Einstieg in ein bewussteres Essverhalten und eine langfristige Ernährungsumstellung. Auch für Gesunde ist es wichtig, das Fasten im Vornherein mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin abzusprechen und – insbesondere beim ersten Fasten – Angebote der Fastenbegleitung (zum Beispiel durch FastenleiterInnen) wahrzunehmen. Als Therapiemethode – und dann nur unter Begleitung durch FastenärztInnen – kann das Fasten auch bei verschiedenen Erkrankungen (metabolische, chronisch-entzündliche, kardiovaskuläre Erkrankungen, chronisches Schmerzsyndrom, psychosomatische Störungen) in speziellen Kliniken zum Einsatz kommen.

Fasten: Mehr als eine Diät

Geschichtlich und kulturell betrachtet, hat das Fasten schon lange vor dem gegenwärtigen Trend eine wichtige Rolle gespielt. So lassen sich Fastenzeiten in allen Religionen finden: Im Christentum zwischen Karneval und Ostern, an Jom Kippur im Judentum, während Ramadan im Islam und auch im Hinduismus wird regelmäßig auf die Nahrungsaufnahme verzichtet. Als medizinisch-therapeutische Methode wurde das Fasten dann im 19. Jahrhundert ‘entdeckt’. Wichtige Figuren sind hier der bereits erwähnte Arzt Otto Buchinger (1878–1966), aber auch Sebastian Kneipp und Franz Xaver Mayr (F.-X.-Mayr-Kur) befassten sich mit der therapeutischen Wirkung des Fastens. Bis das Fasten wissenschaftlich anerkannt wurde, verging jedoch noch einige Zeit. Erst in den letzten Jahrzehnten rückte das Fasten immer stärker in den Fokus der Forschung und positive Wirkungen auf die Gesundheit konnten belegt werden. FastenexpertInnen verweisen aber auch auf den psychisch-seelischen Aspekt des Fastens, denn nicht umsonst ist Fasten wie bereits erwähnt ein wichtiger Teil religiöser Praktiken. Viele Fastende erleben den bewussten Nahrungsverzicht als Zeit der Reflexion und Innenschau, als wohltuende Auszeit vom Alltag und Zeit für und mit sich selbst.

Fasten: Wie wirkt es auf den Körper?

Um die Wirkung des Fastens auf körperlicher Ebene zu verstehen, müssen wir unsere menschliche Entwicklungsgeschichte betrachten. Denn nicht immer hatten wir rund um die Uhr Zugriff auf Nahrung, so wie es heute in den westlichen Industrienationen der Fall ist. Die Fettpölsterchen an Bauch und Co., über die wir uns heute so häufig ärgern, waren früher eine Art Lebensversicherung. In Zeiten eingeschränkter Nahrungsversorgung konnte unser Körper einfach auf eine ‘Ernährung von Innen’ umstellen und auf die körpereigene Reserven zurückgreifen. Unser Körper ist also bestens an den Nahrungsverzicht angepasst. Probleme hingegen scheint er eher mit einem ständigen Nahrungs-Überangebot zu haben (zu viel und zu häufig). Entwicklungsgeschichtlich betrachtet ist diese Situation für unseren Organismus nämlich ziemlich neu. Konserven, prall gefüllte Kühl- und Gefriertruhen und ein 24/7 Imbissangebot, wie es heute in den meisten Großstädten vorhanden ist, sind Erfindungen der letzten 150 Jahre. ErnährungsmedizinerInnen und FastenärztInnen betrachten das Fasten sogar als ebenso wichtigen Teil der Ernährung wie das Essen. Denn beim Fasten werden nicht nur Fettreserven abgebaut, sondern es finden auch weitere wichtige Prozesse statt: So regeneriert beispielsweise unser Verdauungs- und Immunsystem während der Nahrungsabstinenz. Und auch auf Zellebene wird ‘aufgeräumt’. Bei der sogenannten Autophagie ‘recycelt’ die Zelle sich gewissermaßen selbst. Das bedeutet auch in etwa der Begriff ‘autophagos’, der aus dem Altgriechischen mit ‘sich selbst verzehrend’ übersetzt werden kann. Dabei werden beispielsweise unbrauchbare oder beschädigte Bestandteile der Zelle ‘zerlegt’ und wieder neu verwertet. Diesem Prozess wird eine Vielzahl an positiven Wirkungen auf unsere Gesundheit zugeschrieben. Für die Erforschung der Autophagie erhielten gleich zwei Wissenschaftler einen Nobelpreis: Der Belgier Christian de Duve (1974) und der Japaner Yoshinori Ohsumi (2016).

Dubrow-Diät und Fasten: Unser Fazit

Wirklich neu ist die Dubrow-Diät nicht, hierbei handelt es sich eher um die Verbindung zweier bereits bekannter Diät-Formen: Dem intermittierenden Fasten und einer milden Variante der Low-Carb-Diät. Auf die positiven Wirkungen des (intermittierenden) Fastens sind wir bereits eingegangen. Fasten ist aus unserer Sicht weniger eine Diät. Es ist – genau wie das intermittierende Fasten – ein Einstieg in ein bewussteres Essverhalten und eine dauerhafte Ernährungsumstellung. Aufgrund der reduzierten Zeit zur Nahrungsaufnahme ist bei Letzterem wichtig, auf die ausreichende Zufuhr von Kalorien sowie Makro- und Mikronährstoffen zu achten, damit es nicht zu Mangelerscheinungen kommt. Eine zusätzliche Reduktion von Kohlenhydraten ist dabei nicht zu empfehlen. Insbesondere beim Verzicht auf Lebensmittel wie Obst, Hülsenfrüchte oder Getreide läuft man verstärkt Gefahr, eine zu geringe Menge an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen sowie vor allem Ballaststoffen zu sich zu nehmen.

Anne und Henriette von Mein Mehl

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